Uptown Girls Part 1

Einmal in die Welt der Schönen und Reichen eintauchen, einmal den Luxus und die Privilegien der High Society genießen. Für eine Person wurde dieses Wunschdenken nun zur Realität – zumindest für eine kurze Zeit. Diese Person ist meine Mum. Sie wurde von Chanel zu einem exklusiven Kurztrip nach Cannes eingeladen, um sich dort im Nobelhotel Eden Roc so richtig verwöhnen zu lassen und nebenbei noch die Rosenfelder zur Herstellung des Parfums Chanel No.5 anzusehen. Warum? Dieser Frage stellte sich wohl auch mein Vater, der nun feststellen musste, dass meine Mum doch öfter als „ab und zu“ beim Modelabel Chanel zu Gast ist. Fairerweise muss ich hinzufügen, dass sie dort mehr aufgrund ihrer freundlichen, bodenständigen und offenherzigen Art bekannt ist als wegen ihrer immensen Umsatzstärke. Der Erwerb eines möglichen Kleidungsstücks wird zuvor sorgfältig abgewogen, wochenlang anprobiert und letztendlich nicht ohne meinen (zusätzlichen) Segen gekauft. Ihre Errungenschaften bewahrt sie zuhause in einem separaten Kleiderschrank auf, verehrt und bewundert sie und trägt sie mit einem Stolz, wie es nur Frauen über 50 Jahren können. Ein Luxus, der erst mit den Jahren kam, keinesfalls selbstverständlich ist, und den ich ihr von Herzen gönne.

Obwohl nicht ich, sondern meine Mum die Hauptperson dieser Geschichte ist, möchte ich sie dennoch mit euch teilen.

Es ist Mittwoch Abend 19:30, ich sitze in meiner Frankfurter Mini-Wohnung am Schreibtisch, denn ich hatte das Vergnügen, Home Office zu machen. Um 20:40 landet meine wohl zwischenzeitlich vom Boden der Realität abgehobene Mum am Frankfurter Flughafen. Ich stehe vor meinem Kleiderschrank und überlege, was ich anziehen soll. In einer normalen Welt wäre ich einfach vom Schreibtisch aufgestanden und hätte mich ins Auto geschwungen; ich trug zu diesem Zeitpunkt Jogginghose und Kuschelpulli. So, wie man eben aussieht, wenn man im Home Office sitzt! Doch das geht natürlich nicht, ich bin schließlich Mode-Bloggerin, die müssen ja immer perfekt gestylt das Haus verlassen. Ich krame also im Kleiderschrank nach einem umkomplizierten und gut aussehenden Casual Outfit. Puh, zum Glück bin ich nur Businessmode-Bloggerin, da kann man sicherlich mal eine Ausnahmen machen.

Allerdings hole ich ja nicht irgendwen irgendwo ab; nein – ich sammle meine Mum von ihrem Luxustrip nach Cannes ein, die sicherlich mit den drei weiteren von Chanel eingeladene It-Girls das Ankunftsgate passieren wird. Und was sollen diese Ladies bitte über mich denken, wenn sie mich in Schlabberlook sehen? Verrückte Welt – ich greife zum kleinen schwarzen Allround Kleid, glätte meine Haare, trage Make-Up auf, werfe mich in Heels und schmeiße mir den Trenchcoat über. Vermeintlich zufrieden blicke ich in den Spiegel – ich sehe nun aus, als würde ich ins Theater gehen statt an den Flughafen. Es sind nun sage und schreibe 30 Minuten vergangen, um mich in Schale zu werfen. Nochmals checke ich die genaue Ankunftszeit des Fliegers. Verdammt, statt 20:40 landet sie nun auch noch 20 Minuten früher, was bedeutet, dass ich nun zu spät komme.

Ich fühle mich lächerlich, so viel Zeit für mein Outfit und den vermeintlich entschiedenen ersten Eindruck auf andere verbracht zu haben, statt mich auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens zu fokussieren. Wer bin ich eigentlich, dass es mich kümmert, was wildfremde Menschen über mich denken? Was kümmert es diese Leute, wie ich mich kleide oder wie ich in Erscheinung trete. Muss ich mich denn ausschließlich über mein Äußeres definieren und zur Schau stellen, ob es mir finanziell gut geht? Wahrscheinlich sind diese Frauen sogar neidisch, dass meine Mum als einzige von ihrer Tochter abgeholt wird, während alle anderen mit Chauffeur oder Taxi zu ihren Frankfurter Luxusanwesen gebracht werden! Ich komme mir unheimlich kindisch vor, muss lautstark über mich selbst lachen, und tausche zügig das kleine Schwarze gegen ein paar Jeans und Cardigan.

Schnell springe ich in mein Auto und fahre Richtung Flughafen. Im Radio läuft Billy Joel’s „Uptown Girl“ – wie passend denke ich mir.

Gerade noch rechtzeitig schaffe ich es ans Gate, wo zwei Minuten später vier Grazien durch die Eingangstür in die Ankunftshalle des Flughafens schweben. Darunter meine Mum, die völlig übermüdet und abgeschlagen aussieht und es wohl gerade noch fertiggebracht hat, sich für die Rückreise in einen Chanel Blazer zu zwängen um optisch nicht aus der Reihe zu tanzen. Der Rest flog selbstverständlich standesgemäß und mit einer Anzahl an Koffern, die durchaus Rückschlüsse auf einen mehrwöchigen Aufenthalt zuließ. Den Wert dieser Kofferinhalte will ich gar nicht erst schätzen, es dürften aber ein paar Nullen sein. Es sei ihnen natürlich gegönnt, keine Frage, denn es liegt mir fern, anderen ihren hart erarbeiteten Erfolg und Wohlstand nicht anzuerkennen. Ein bisschen schmunzeln musste ich bei der Erscheinung der drei Grazien allerdings doch. Nur innerlich versteht sich.

Überglücklich, völlig von den Socken und spätestens nach 10 Minuten Fahrt über die A5 ist meine Mum dann auch wieder im echten Leben angekommen und die Erlebnisse sprudeln gerade so aus ihr heraus. Sie ist unendlich dankbar, ein Leben führen zu können, in dem kleiner und großer Luxus noch von ganzem Herzen geschätzt und nicht etwa als  selbstverständlich angesehen wird.

Diese Impressionen möchte ich euch natürlich keinesfalls vorenthalten, also seid gespannt auf den zweiter Teil dieser Geschichte ... the Story continues…

IMG_4517IMG_4525IMG_4527IMG_4528IMG_4540IMG_4543

 

 

Autor: westendbirds

Corporate Fashion, Beauty and Lifestyle Blog

3 thoughts

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s